Golfpark München Aschheim wird mit Gold bei DGV-Programm „Golf&Natur“ ausgezeichnet

Golf als Rückzugsfläche in der Großstadt

Golfpark München Aschheim wird mit Gold bei DGV-Programm „Golf&Natur“ ausgezeichnet 

Der Kontrast ist unverkennbar: Rechterhand sieht man eine große Kiesgrube. Die Zufahrt zur Golfanlage liegt nicht weit vom Münchener Autobahnring. Wer fünf Minuten Auto fährt, gerät in ein großes Industriegebiet. Zwischendrin liegt der Golfpark München Aschheim. 18 Löcher voller Natur in der Münchner Schotterebene. Ein bewegtes Gelände, auf dem sich der Pirol niedergelassen hat, jetzt im Frühjahr die Höckerschwäne nisten, immer wieder Uferschwalben ein Zuhause finden.

„Hier haben wir das Ziel, im Ballungszentrum München die Anlage mit der größten Biodiversität zu werden“, erklärt Dr. Gunther Hardt, Vorsitzender des DGV-Ausschuss Umwelt & Platzpflege, als er die Anlage beim Auditorium zur Vergabe der Gold-Auszeichnung besucht. „Das ökologische Potential ist extrem hoch.“

Betrachtet man die 1992 fertiggestellte, von einer Betreibergesellschaft geführte Anlage genauer, so stößt man auf eine Art Cinderella-Geschichte. Dort, wo sich der Golfpark nämlich inzwischen zu Recht mit dem Motto „Golf erleben“ als attraktive Hügellandschaft präsentiert, ist es eigentlich früher nie schön gewesen. Das einst als Kiesgrube genützte Gelände sollte zur Mülldeponie umgewandelt werden, als die Gemeinde Aschheim die Chance ergriff und stattdessen die Genehmigung für einen Golfplatz erteilte. Mit rund 1.200 Mitgliedern bei einem mittleren Preisgefüge gilt der Golfpark München Aschheim als stark frequentierte Anlage, deren Greenkeeper mit einer hohen Nutzung der Grün- und Abschlagflächen und wenig zeitlichen Freiräumen im Arbeitsprozess kämpfen.

Trotzdem ist der Spagat geglückt: Headgreenkeeper Günter Mayer hat inzwischen mit seinem Assistenten Simon Schäfer eine Vorliebe für die Details der Ökologie entwickelt. „Wenn man die Pflege einmal im Griff hat, fängt man an, sich mit den Kleinigkeiten zu beschäftigen und nach Möglichkeiten der Aufwertung zu suchen“, resümiert Mayer zufrieden. Roughflächen magert er aus und sät mehrjährige Blumen und Gräser nach. So reduzieren sich die Suchzeiten im Rough, andererseits ist aber auch die Optik abwechslungsreicher geworden. Brut- und Nistkästen wurden aufgestellt, Futterplätze für Niederwild geschaffen. Schilfbereiche in den Teichen haben Libellen angelockt. Zwei Abbruchkanten wurden für die Ansiedlung von Uferschwalben angelegt und gerodet.

Geschäftsführer Jochen Hornig hat inzwischen die Vorteile der ökologischen Aufwertung und der Teilnahme am Golf&Natur Programm erkannt: „Wir sehen hier einen klaren Mehrwert beim Marketing, weil wir auf diese Weise auch vom klassischen Image des Golfsports wegkommen, wo es eben auch viel um Überdüngung und Spritzmittel geht“, erklärt er. „Wir verkaufen Golf jetzt als nachhaltiges Produkt, was in den Zeitgeist mit Hinwendung zu Bio-Produkten ec. passt.“

Trotzdem bleibt die Vereinbarkeit aus Ökologie, Spielbarkeit und Service gerade bei einer stark kommerziellen Anlage mit hoher Frequenz eine Herausforderung: „Der Golfer erwartet Grün“, erklärt Mayer heikle Punkte. Die ökologisch wertvolle karge Kiesfläche etwa, die man im Umfeld eines Teiches ausgehoben hat, ist noch nicht bei jedem Mitglied auf Begeisterung gestoßen.

Auch hier, so Hardt, muss das Programm Golf&Natur ansetzen: „Wenn wir den Golfern mit Bildern oder auf der Website erklären, dass gerade solche Flächen sehr wertvoll sind“, steigt in der Regel sehr schnell die Akzeptanz. Auch deshalb plant man im Golfpark Aschheim vogelkundliche Wanderungen mit Mitgliedern. Wer sich morgens bei Sonnenaufgang in der Stille des Golfplatzes auf die Vogelstimmen konzentriert, erkennt schnell, dass der Golfsport vom Naturerlebnis lebt. Eine Chance, die man in Großstädten ohnehin hat. Kann eine Golfanlage wie Aschheim sie bieten, ist dies ein eindeutiger Wettbewerbsvorteil.

Text: Petra Himmel

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